Anpassung der Unterschiede zwischen analogen und digitalen Entwicklungsgeschwindigkeiten möglich

These im Wortlaut

Die unterschiedlichen Innovationsraten der analogen und digitalen Welt führen in Deutschland durch die zunehmende Durchdringung „konventioneller“ Produkte mit IKT zu einem wachsenden Konfliktpotenzial in der Wirtschaft.

Erkenntnis

Durch die Entwicklung synergetischer, systemübergreifender Lösungen kann die Harmonisierung der unterschiedlichen Innovationszyklen analoger und digitaler Produkte gefördert werden. Erfolgsfaktoren hierbei sind die Verteilung von entsprechenden Fachkräften innerhalb der Unternehmen sowie die Vernetzung und Synchronisierung von analogen und digitalen Organisationsbereichen.

Einführung

Digitale Technologien zeichnen sich durch hohe Wandlungs- und Innovationsgeschwindigkeit aus und sind durch ihre zentralen Faktoren Variantenvielfalt, kurze Technologiezyklen, sich explosionsartig entwickelnde Anwendungsvielfalt und weltweite schnelle Verbreitung gekennzeichnet. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie und ob die unterschiedlichen Innovationsraten der analogen und digitalen Welt in Deutschland durch die zunehmende Durchdringung „konventioneller“ Produkte mit IKT zu einem wachsenden Konfliktpotenzial in der Wirtschaft führen.


These: Die unterschiedlichen Innovationsraten der analogen und digitalen Welt führen in Deutschland durch die zunehmende Durchdringung „konventioneller“ Produkte mit IKT zu einem wachsenden Konfliktpotenzial in der Wirtschaft.

„Inwieweit trifft diese These auf die Situation in Ihrem Unternehmen zu?“

Basis: Gesamt n = 126, IKT n = 70, Nicht-IKT n = 56


Deskription

Die oben aufgeführte These, dass die Unterschiede in den Innovationsraten analoger und digitaler Produkte Konfliktpotenzial bieten, findet im Kreis der befragten Experten nur bei einem vergleichsweise kleinen Teil eine bestätigende Antwort. 25 Prozent befürworten aktuell diese Ansicht für das eigene Unternehmen. Auch in der langfristigen Perspektive und Einschätzung bis zum Jahr 2025 sieht nur knapp jeder Dritte hier ein mögliches Konfliktpotenzial (29 Prozent) – ein im Zeitverlauf stabiles Niveau.

Interpretation

Ganz offensichtlich ist das wahrgenommene Konfliktpotenzial zwischen analogen und digitalen Innovationsprozessen und damit den Innovationsraten in den befragten Unternehmen eher gering und wird sich auch auf lange Sicht nicht als solches entwickeln. Dies lässt den Schluss zu, dass die angenommene Trennung in „analoges“ und „digitales“ Denken in den deutschen Unternehmen längst überwunden wurde bzw. nie so stark verankert war, wie häufig vermutet wird. Die verschiedenen Player haben im Laufe der Zeit ihr Produktportfolio kontinuierlich erweitert und auf die sich ändernden Bedürfnisse der neuen Welt angepasst, indem sie ein fachübergreifendes Produktverständnis entwickelt haben. Gerade die vielen mittelständischen Unternehmen, die in ihren Segmenten Weltmarktführer sind, belegen diese Erkenntnis. Viele Unternehmen haben bereits Antworten auf die neuen Herausforderungen der zunehmenden Durchdringung der analogen Produkte mit digitalen Inhalten gefunden und sich offensichtlich an die unterschiedlichen Innovationsanforderungen angepasst. Möglicherweise kämpfen hier auch nicht die kleinen agilen und spezialisierten Unternehmen mit dem Problem des Übergangs von analog auf digital, sondern insbesondere die großen organisatorisch bedingt trägeren Unternehmen.


Darstellung der Eintrittswahrscheinlichkeit zweier gegensätzlicher aus der These resultierenden Entwicklungsszenarien aus Sicht der befragten Experten.

„Im Folgenden zeigen wir Ihnen zwei Entwicklungsmöglichkeiten: Bitte kreuzen Sie an, welche Entwicklungsalternative Ihnen wahrscheinlicher erscheint heute / im Jahr 2020 / im Jahr 2025.“

Basis: Gesamt n = 125, IKT n = 70, Nicht-IKT n = 55



Darstellung der wichtigsten Erfolgsfaktoren, die aus Sicht der befragten Experten im Jahr 2020 entweder das positive Entwicklungsszenario beeinflussen oder dem negativen Entwicklungsszenario entgegenwirken.

„Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich im Jahr 2020. Welche der im Folgenden aufgeführten Faktoren sind auszubauen bzw. zu stärken, um diese positive Entwicklung zu bewirken / der negativen entgegenzuwirken?“

Basis: Verstärker n = 58, Verhinderer n = 66



Das größte Konfliktpotenzial hinsichtlich der unterschiedlichen Innovations-geschwindigkeiten (digital und analog) liegt im Bereich der Innovationsprozesse.

„In welchem der folgenden Bereiche sehen Sie das größte Konfliktpotenzial hinsichtlich der unterschiedlichen Innovationsgeschwindigkeiten digitaler und analoger Produkte und Prozesse in Ihrem Unternehmen?“

Basis: n = 123


Deskription

Dass dennoch Handlungsbedarf besteht, zeigen die Einschätzungen der befragten Fachleute. Bezüglich der skizzierten zwei Entwicklungsalternativen halten diese die pessimistische Einschätzung einer nicht vorhanden Koexistenz der unterschiedlichen Innovationszyklen mehrheitlich (58 Prozent) für die heutige Situation wahrscheinlicher als die positive Einschätzung. Aber bereits 2020 wird sich ihrer Ansicht nach das Gewicht eindeutig zugunsten eines fachübergreifenden Produkt- und Leistungsverständnisses verlagert haben, das durch den Aufbau von sich ergänzenden Kompetenzen und Technologiensynergien gekennzeichnet ist und zu einer Beschleunigung des Produkt- und Anwendungsnutzens und zur Verkürzung der Produktzyklen bei klassischen Produkten führt (66 Prozent). In der langfristigen Perspektive bis 2025 befürworten dies sogar 79 Prozent.

Erfolgsfaktoren für die positive Entwicklung sind unter anderem Kreativität und Offenheit (60 Prozent), modernste digitale Infrastrukturen (57 Prozent), Kundennutzenfokussierung (55 Prozent) und qualifizierte Ausbildung (55 Prozent). Bei den Faktoren, welche die negative Entwicklung verhindern, dominieren dagegen kontinuierliche innovative Forschungs- und Entwicklungsleistungen (62 Prozent) sowie Kreativität und Offenheit (61 Prozent) als Hauptfaktoren.

Im Bereich der Innovationsprozesse sehen die befragten Experten das größte Konfliktpotenzial in den unterschiedlichen Innovationsgeschwindigkeiten zwischen digitalen und analogen Produkt- oder Innovationsprozessen (39 Prozent). Bei den Produkten selber dagegen bestehen mit 11 Prozent die geringsten Konflikte.

Interpretation

Die deutschen Unternehmen sind sich der Anforderungen der unterschiedlichen Innovationsgeschwindigkeiten zwischen digitalen und analogen Produkten bewusst. Sie haben erkannt, dass nur in synergetischen und systemübergreifenden Lösungen Chancen für neue Geschäftsmodelle vorhanden sind. Mögliches Konfliktpotenzial wird heute erkannt und damit schon mittelfristig keine Achillesferse mehr darstellen. Die Fachleute scheinen selbstbewusst genug bezüglich des digitalen Zusatznutzens ihrer Produkte bzw. deren Digitalisierung, da sie möglicherweise die richtigen Antworten auf die digitale Herausforderung gefunden haben. Daher rührt auch der positive Ausblick in die Zukunft. Hinsichtlich des eigenen Innovationsprozesses scheint die Betrachtungsweise differenziert genug, um zu erkennen, dass hier die angestrebte Win-Win-Situation noch nicht vollständig erreicht ist. Die Erkenntnis, dass einzelne Anbieter allein in einem zunehmend globalisierten und digitalisierten Markt künftig wenige Chancen auf Erfolg beziehungsweise auf eine nennenswerte Marktmacht haben, ist allerdings vorhanden.

Bereits mittelfristig wird sich die „klassische“ Produktentwicklung an die Innovationsprozesse der digitalen Welt angepasst haben. Für eine positive Entwicklung ist aber das Management eines komplexen Geflechtes unterschiedlicher Faktoren notwendig, um das benötigte fachübergreifende Produkt- und Leistungsverständnis zu initiieren. Diesen Wandel zu meistern, wird eine der zentralen Herausforderungen der kommenden fünf Jahre sein. Kreativität und Offenheit, das heißt ein neues angepasstes und sich an der Veränderungsgeschwindigkeit der digitalisierten Welt orientierendes digitales Denken wird neben modernen Infrastrukturen, qualifizierter Ausbildung und kontinuierlicher innovativer Forschungsleistung als notwendig für diesen Prozess hervorgehoben. Ganz offensichtlich schafft sich die Digitalisierung selber ihre Bedingungen für eine positive Entwicklung. Soll eine negative Richtung verhindert werden, so kann dies nur durch aktives Gegensteuern mit Investitionen in kontinuierliche Innovationsleistung erfolgen.

Wege in die digitale Zukunft

Der Weg hin zu diesen notwendigen Kompetenz- und Technologiesynergien liegt in der Vernetzung von analogen und digitalen Welten innerhalb der Unternehmen. Nur so können die Konvergenzgräben in Wirtschaft und Gesellschaft überwunden werden und einer ganzheitlichen Sicht weichen. Kernkompetenzen der Vergangenheit sind möglicherweise nicht die Wertschöpfungstreiber der Zukunft des jeweiligen Produkts.

Handlungsimpulse

  • Zunächst ist die Bereitschaft sämtlicher Akteure – Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Verbände – erforderlich, sich mit den Prinzipien und Chancen der digitalen Welt intensiv auseinanderzusetzen.
  • Zur Förderung des digitalen Wissens wird eine Reformation der Ausbildungspläne gefordert, sodass zum Beispiel Informatik integraler Bestandteil aller Studienfächer wird.
  • Um in einem branchenübergreifenden Dialog neue Anwendungsszenarien zu entwickeln und diese dann umzusetzen, sollte die konzertierte Interaktion von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft gefördert werden.
  • Über positive Fallbeispiele („Hidden Champions“), bei denen eine optimale Anpassung zwischen analogen und digitalen Entwicklungsgeschwindigkeiten erreicht wurde, sollte verstärkt medial berichtet werden.