Innovationskultur durch flexible und offene Strukturen und verantwortliche Einbindung der jungen Generation

These im Wortlaut

Eine offene Kultur ist in Unternehmen in Deutschland noch immer wenig verbreitet und das Management von Unternehmen stark den tradierten, an Unternehmensgrenzen orientierten Denkweisen (sicherheitsorientiert, verwaltend) verhaftet.

Erkenntnis

Unternehmerische Impulse und eine offene Kultur werden derzeit durch unflexible, sicherheitsorientierte und bewahrende Denk- und Handlungsweisen blockiert. Der Wandel vom digitalen „Nachzügler“ zum Treiber kann durch eine Veränderung der Managementmuster mit Hilfe eines adäquaten Change Managements und der aktiven Einbindung der jüngeren Generationen herbeigeführt werden.

Einführung

Die Digitalisierung der Wirtschaft erfordert eine neue Form der Organisationskultur, in der Offenheit für Innovationen und Neuerungsprozesse im Vordergrund stehen. Insbesondere in größeren, etablierten Unternehmen, in denen an bewährten und durchaus auch erfolgreichen Strategien festgehalten wird, ist es nicht einfach, eine derartige Innovationskultur umzusetzen.


These: Eine offene Kultur ist in Unternehmen in Deutschland noch immer wenig verbreitet und das Management von Unternehmen stark den tradierten, an Unternehmensgrenzen orientierten Denkweisen (sicherheitsorientiert, verwaltend) verhaftet.

„Inwieweit trifft diese These auf die Situation in Ihrem Unternehmen zu?“

Basis: Gesamt n = 125, IKT n = 70, Nicht-IKT n = 55


Deskriptiv

Aktuell sieht über die Hälfte der befragten Experten (53 Prozent) eine offene Kultur im Unternehmen als wenig verbreitet an und ist der Meinung, dass das Management von Unternehmen stark durch tradierte, an Unternehmensgrenzen orientierte Denkweisen (sicherheitsorientiert, verwaltend) geprägt ist. In den kommenden Jahren wird hier jedoch ein Wandel erwartet: Für das Jahr 2020 ist nur noch gut über ein Drittel der Befragten (38 Prozent) davon überzeugt, für 2025 sinkt die Quote sogar fast auf ein Viertel (27 Prozent).

Interpretation

Der Befund ist deutlich: Derzeit scheint eine offene Unternehmenskultur in deutschen Unternehmen noch nicht verbreitet zu sein. Ein Grund liegt sicher darin, dass in der Vergangenheit die Notwendigkeit einer offenen Kultur in Unternehmen aufgrund der damals verbreiteten Wertestruktur der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht vorhanden war – gerade bei jungen Menschen ist die Forderung nach Werten wie Selbstbestimmung und Gestaltung heute deutlich ausgeprägter. Des Weiteren ist der Grad der Öffnung abhängig von der Unternehmenskultur, vom Produkt und der Unternehmensbranche. Eine offene Kultur (als Basis für die digitale Kultur) ist also nicht unbedingt für alle Geschäftsmodelle zwingend erforderlich. Als Gegenbeispiel für eine absolut offene Kultur kann Apple gesehen werden. Apple hat eine nur teilweise offene Unternehmenskultur, ist aber dennoch innovativ. Zudem ist bei einer offenen Kultur zwischen Offenheit innerhalb eines Unternehmens und Offenheit nach außen zu unterscheiden. Interne und externe Offenheit können sich in einem Unternehmen unterschiedlich entwickeln und müssen daher getrennt betrachtet und definiert werden.

Die heutige Tendenz zur Vernetzung in einer globalisierten Welt wird zukünftig die Erfordernis nach einer offenen Unternehmenskultur verstärken. Dass sich diese zunehmend realisieren könnte, zeigt die derzeitig erkennbare Entwicklung. Aufgrund einfacher Finanzierungsmöglichkeiten sind mittlerweile Einstiegshürden in den Markt geringer, und es entstehen viele Startups. Diese haben zumeist eine offene Unternehmenskultur. Um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten auch große Unternehmen eine derartige Startup-Mentalität zeigen und offen sein. Durch das Aufweichen von Unternehmensgrenzen und einer stärkeren Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen – zum Beispiel aus der Gründerszene – könnte es auch großen Unternehmen gelingen, auf den digitalen Kontext abgestimmte Innovationen hervorzubringen. Die durch die Digitalisierung veränderten Kommunikationsmöglichkeiten eröffnen den Unternehmen außerdem Vorteile hinsichtlich Geschwindigkeit. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Frage, ob der Wandel durch die Digitalisierung vorangetrieben wird oder ob er auch ohne Digitalisierung stattfinden würde.


Darstellung der Eintrittswahrscheinlichkeit zweier gegensätzlicher aus der These resultierenden Entwicklungsszenarien aus Sicht der befragten Experten.

„Im Folgenden zeigen wir Ihnen zwei Entwicklungsmöglichkeiten: Bitte kreuzen Sie an, welche Entwicklungsalternative Ihnen wahrscheinlicher erscheint heute / im Jahr 2020 / im Jahr 2025.“

Basis: Gesamt n = 125, IKT n = 70, Nicht-IKT n = 55



Darstellung der wichtigsten Erfolgsfaktoren, die aus Sicht der befragten Experten im Jahr 2020 entweder das positive Entwicklungsszenario beeinflussen oder dem negativen Entwicklungsszenario entgegenwirken.

„Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich im Jahr 2020. Welche der im Folgenden aufgeführten Faktoren sind auszubauen bzw. zu stärken, um diese positive Entwicklung zu bewirken / der negativen entgegenzuwirken?“

Basis: Verstärker n = 63, Verhinderer n = 62



Knapp die Hälfte der Experten sehen in disruptiven Innovationen VerdrängungsPotenzial für bestehende Produkte.

Disruptive Innovationen sind Erneuerungen, welche das Potenzial haben, bestehende Produkte oder Dienstleistungen vollständig zu verdrängen. „Wie wichtig sind disruptive Innovationen für Ihr Unternehmen? “

Basis: n = 124


Deskriptiv

Der deutschen Wirtschaft gelingt es derzeit laut Expertenmeinungen kaum, industrielle Managementmuster und hierarchische Denkweisen mit einer offenen, gestaltenden Unternehmenskultur derart zu verbinden, dass Deutschland eine Enabler- und Treiberrolle für digitale Innovationen in der Wirtschaft einnehmen wird; nur 11 Prozent der Experten stimmen dieser These für 2014 zu. 76 Prozent der Experten hingegen gehen davon aus, dass aktuell unternehmerische Impulse und Innovation durch alte Denkmuster blockiert werden. Für die Zukunft ist jedoch eine starke Zuversicht erkennbar: So geht über die Hälfte der Befragten (52 Prozent) davon aus, dass die deutsche Wirtschaft bereits 2020 eine Enabler- und Treiberrolle für digitale Innovationen einnehmen wird. Für das Jahr 2025 steigt diese Quote um weitere 20 Prozentpunkte (72 Prozent) an.

Erfolgsfaktoren, die eine positive zukünftige Entwicklung bedingen und gleichzeitig einer negativen Entwicklung entgegenwirken, sind vor allem Kreativität und Offenheit (Verstärker positiv: 62 Prozent, Verhinderer negativ: 74 Prozent), Unternehmer-Mentalität (Verstärker positiv: 49 Prozent, Verhinderer negativ: 63 Prozent), sowie qualifizierte Ausbildung (Verstärker positiv: 51 Prozent, Verhinderer negativ: 50 Prozent). Als Erfolgsfaktoren für eine positive zukünftige Entwicklung wurden darüber hinaus kontinuierliche Innovationsleistung, Forschung und Entwicklung (52 Prozent) sowie der Leitgedanke der Vernetzung (49 Prozent) genannt. Experten sehen Kundennutzen im Fokus (60 Prozent) und Verständnis der digitalen Ökonomie (58 Prozent) als weitere Erfolgsfaktoren, um einer negativen Entwicklung entgegen zu wirken.

Knapp die Hälfte der Experten (47 Prozent) ist der Meinung, dass disruptive Innovationen das Potenzial haben, bestehende Produkte und Dienstleistungen vollständig zu verdrängen. 24 Prozent sind diesbezüglich unschlüssig und 19 Prozent erkennen hier kein Potenzial.

Interpretation

Der Befund verdeutlicht den erheblichen Nachholbedarf Deutschlands im Zuge des digitalen Wandels. Die geringe Verankerung der Innovationskultur kann heute, im Jahr 2014, klar als das Sinnbild der Achillesferse gesehen werden. Denn die deutsche Wirtschaft scheint stark durch herkömmliche Managementmuster geprägt zu sein. Herkömmliche Denkmuster blockieren mögliche Innovationen. Die deutsche Kultur zielt auf Wissen, auftretende Probleme werden durch Recherchen intern gelöst. Dahingegen zielt die digitale Kultur darauf ab, Probleme mithilfe Dritter (durchaus auch Wettbewerber) zu lösen. Um eine offene Unternehmenskultur zu erzielen, erscheint deshalb ein Wandel in den Verhaltensweisen und in den Managementmustern erforderlich. Die negative Einschätzung des Jahres 2014 wendet sich sehr schnell zu einer positiven Einschätzung für die Jahre 2020 und 2025. Hier zeigt sich eine sehr hohe Erwartungshaltung für die Zukunft. Da ein Wandel in der Kultur jedoch meist schleppend vorangeht, bleibt es fraglich, ob der erwünschte Wandel innerhalb von 10 Jahren vollzogen werden kann.

Um eine Enabler- und Treiberrolle für digitale Innovationen in der deutschen Wirtschaft einzunehmen, werden verschiedene Erfolgsfaktoren als Voraussetzung genannt. Kreativität und Offenheit, sowie Unternehmer-Mentalität sind die beiden wichtigsten Erfolgsfaktoren für den Wandel hin zu einer offenen Unternehmenskultur. Auch wird moderne und qualifizierte Ausbildung genannt: Sie repräsentiert eine typisch deutsche Sichtweise und verweist auf die tief verwurzelte Kultur der Deutschen. Schließlich kann der Fokus auf den Kundennutzen traditionelle Managementmuster aufweichen: Druck von außen, das heißt durch den Kunden, kann den Wandel vorantreiben.

Der hohe Anteil an Befragten aus der IT- und Telekommunikationsbranche erklärt die positive Einschätzung des Potenzials von disruptiven Innovationen.

Wege in die digitale Zukunft

Der Kulturwandel in Richtung Offenheit ist ein Kernelement für den Wandel vom analogen „Nachzügler“ zum digitalen „Treiber“. Die deutschen Experten sind sich bewusst, dass derzeit traditionelle Managementmuster und hierarchische Denkweisen in den Unternehmen vorherrschen. Sie sehen einen Wandel zu offenen Unternehmenskulturen als zwingend erforderlich an und sind positiv gestimmt, dass dieser geschafft werden kann. Jedoch könnte die mögliche Dauer dieses Wandels unterschätzt werden. Es ist zudem unklar, wie dieser vollzogen werden kann. Druck von außen scheint notwendig zu sein. Digitalisierung ist deshalb an dieser Stelle nicht nur Gegenstand der Entwicklung, sondern auch der Weg: Die Direktheit der Kommunikation mit digitaler Technik und ihre Handhabung unterstützen den erforderlichen Wandel.

Handlungsimpulse

  • Unternehmer-Mentalität, Offenheit und Kreativität müssen vermehrt gefördert und gelebt werden. Ein Recruiting junger (offener) Mitarbeiter könnte den Wandel von innen ermöglichen, allerdings ist dabei von einem langwierigen Prozess auszugehen.
  • Um den Wandel einzuleiten, müssen Unternehmen bereit sein, offener nach außen und innen zu werden. Die Akzeptanz für einen derartigen Kulturwandel ließe sich möglicherweise dadurch erhöhen, dass die Mitarbeiter des Unternehmens in die Gestaltung des Change-Prozesses einbezogen werden.
  • Um den Richtungswechsel erfolgreich meistern zu können, sollten Innovation und Offenheit schon in der Ausbildung stärker verankert werden. Erreichen lässt sich dies beispielsweise durch die Vermittlung von Unternehmer-Mentalität, die Förderung von Kreativität wie auch die Vermittlung einer Kultur des Scheiterns. Größeren Unternehmen könnte dies einfacher und besser gelingen, wenn sie mit Start-ups intensiv zusammenarbeiten.
  • Um das Bewusstsein und die Kenntnisse für die Rolle einer offenen Unternehmens- und Innovationskultur für Deutschland zu schärfen, könnten beispielsweise Verbände oder die Wissenschaft entsprechende Veranstaltungen anbieten. Konkretes Beispiel wären übergreifende Ringvorlesungen an der Universität.
  • Die Veränderungsbereitschaft und Anpassungs-/Veränderungsfähigkeit jedes Einzelnen, sich auf neue Herausforderungen einzustellen, sollte in der Ausbildung, aber auch in den Unternehmen durch entsprechende Strukturen und angepasste Führungsstile unterstützt werden.

Durch Kooperationen zwischen Start-ups und großen Unternehmen wird ein gegenseitiger Austausch gefördert, vom dem beide Seiten profitieren.