Digitale Kompetenzen als Schlüsselqualifikation für die Wirtschaft

These im Wortlaut

Offenheit der Gesellschaft und Kompetenz im Umgang mit neuen Medien sind grundlegend für das Leben in der digitalen Welt. In Deutschland sind kontextübergreifende und jedem zugängliche Wissensvermittlung bezüglich der adäquaten Nutzung digitaler Medien in der Wirtschaft noch nicht in ausreichendem Maße umgesetzt und in der Fort- und Weiterbildung innerhalb der Unternehmen kaum verankert.

Erkenntnis

Die adäquate Nutzung digitaler Medien durch Akteure in der Wirtschaft wird sich in den nächsten Jahren verbessern. Die unterstützenden Weichenstellungen im politischen Sektor hinken stark hinterher, insbesondere in den Schulen. Der Kompetenzerwerb in dieser Schlüsselqualifikation wird deshalb maßgeblich von individuellen und privatwirtschaftlichen Initiativen abhängen.

Einführung

Im Arbeitsalltag haben digitale Medien die analogen Medien weitgehend abgelöst. Für ein sicheres und souveränes Arbeiten in der vernetzten digitalen Welt wird heute bei Mitarbeitern ein hoher Grad an Medienkompetenz vorausgesetzt. Aufgrund der Geschwindigkeit von Technologieentwicklungen beinhaltet dies auch die stetige Auseinandersetzung mit den Neuerungen.


These: Offenheit der Gesellschaft und Kompetenz im Umgang mit neuen Medien sind grundlegend für das Leben in der digitalen Welt. In Deutschland sind kontextübergreifende und jedem zugängliche Wissensvermittlung bezüglich der adäquaten Nutzung digitaler Medien in der Wirtschaft noch nicht in ausreichendem Maße umgesetzt und in der Fort- und Weiterbildung innerhalb der Unternehmen kaum verankert.

„Inwieweit trifft diese These auf die Situation in Ihrem Unternehmen zu?“

Basis: Gesamt n = 122, IKT n = 71, Nicht-IKT n = 51


Deskription

51 Prozent der befragten Experten stimmen oben genannter These zu, das heißt jeder zweite Experte ist der Meinung, dass Medienkompetenz in deutschen Unternehmen bislang heute noch zu wenig gefördert wird. Bis in sechs Jahren wird sich die Situation jedoch bereits deutlich verbessert haben. Für 2020 stimmen nur noch 29 Prozent der Befragten der These zu, für 2025 sind es 21 Prozent.

Interpretation

Die Bewertung der These zeigt auf, dass die Relevanz von Medienkompetenz grundsätzlich von den Experten erkannt wird. Mitarbeiter müssen zukünftig auch in diesem Bereich umfassend aus- und weitergebildet werden, um in der digitalen Wirtschaft handlungsfähig und erfolgreich zu sein. Die Weichenstellung für die adäquate Nutzung digitaler Medien in der Wirtschaft muss möglichst zeitnah und vor allem kontinuierlich erfolgen, um mit der immer schneller fortschreitenden Digitalisierung Schritt halten zu können. Medienkompetenz umfasst dabei nicht nur den technischen Umgang mit neuen Medien. Vielmehr zählen dazu der organisatorische und methodische Umgang sowie insbesondere die Fähigkeit, beurteilen zu können, für welche Arbeits- und Kommunikationsvorgänge welche Medien geeignet sind.

Die Verantwortung für die Etablierung einer umfassenden digitalen Medienkompetenz betrifft nicht nur einzelne Instanzen, beziehungsweise einen einzelnen Bereich. Wirtschaft und Politik haben hier vielmehr eine gemeinsame Verpflichtung: Es müssen entsprechende Rahmenbedingungen und Anreize geschaffen werden (zum Beispiel Initiierung von Projekten, Bereitstellung von (Förder-)Geldern, Experimentierfelder und vieles mehr). Auch der Einzelne ist gefragt. Mitarbeiter müssen Schulungen und Weiterbildungen selbst konsequent verfolgen und im Sinne eines „lebenslangen Lernens“ bereit sein, sich ständig mit digitalen Entwicklungen und ihren Einsatzmöglichkeiten auseinanderzusetzen.


Darstellung der Eintrittswahrscheinlichkeit zweier gegensätzlicher aus der These resultierenden Entwicklungsszenarien aus Sicht der befragten Experten.

„Im Folgenden zeigen wir Ihnen zwei Entwicklungsmöglichkeiten: Bitte kreuzen Sie an, welche Entwicklungsalternative Ihnen wahrscheinlicher erscheint heute / im Jahr 2020 / im Jahr 2025.“

Basis: Gesamt n = 122, IKT n = 71, Nicht-IKT n = 51



Darstellung der wichtigsten Akteure, die aus Sicht der befragten Experten im Jahr 2020 entweder das positive Entwicklungsszenario beeinflussen oder dem negativen Entwicklungsszenario entgegenwirken.

„Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich im Jahr 2020. Welche der im Folgenden aufgeführten Akteure können diese positive Entwicklung bewirken / der negativen entgegenwirken?“

Basis: Verstärker n = 58, Verhinderer n = 63



Damit Bürger auf die Veränderungen durch die Digitalisierung souverän reagieren, sind Zivilgesellschaft und Politik gefragt.

„Vor dem Hintergrund der Digitalisierung sollten Bürger und Kunden in die Lage versetzt werden, souverän auf die gewünschten und unerwünschten Veränderungen der Gesellschaft reagieren zu können. Zudem sollten angemessene (Spiel)regeln für digitale Medien entwickelt werden. Welche Maßnahme von welchem Akteur erscheint Ihnen am wichtigsten, um auf diese Herausforderung zu reagieren?“

Basis: n = 121


Deskription

Die positive Einschätzung der Experten hinsichtlich der Etablierung von Medienkompetenz spiegelt sich in der Bewertung verschiedener Entwicklungsmöglichkeiten wider. Im Jahr 2014 sehen es 56 Prozent der Experten als wahrscheinlich an, dass die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland aufgrund mangelnder Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien gefährdet ist. Bereits sechs Jahre später überwiegt eine stark positive Zukunftseinschätzung. 70 Prozent sind der Meinung, dass es 2020 mittels der Bereitschaft zu „lebenslangem Lernen“ sowie einer intensiven Vermittlung von Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien gelingt, die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland voranzutreiben. Für das Jahr 2025 teilen diese Einschätzung sogar 78 Prozent.

Eine tragende Rolle wird in beiden Entwicklungsszenarien der deutschen Wirtschaft zugeschrieben. Sie kann sowohl die treibende Kraft für eine positive Entwicklung sein (71 Prozent), aber auch die vermeidende Kraft der negativen Entwicklung (75 Prozent). Als ebenfalls äußerst wichtig wird die Rolle der Politik in Deutschland eingeschätzt (Verstärker positiv: 64 Prozent, Verhinderer negativ: 71 Prozent).

Zivilgesellschaft und Politik sollten sich nach Meinung von 29 Prozent der befragten Experten aktiver in die Diskussion zur Entwicklung von Gesetzen zum Schutz von Persönlichkeitsrechten und zur informationellen Selbstbestimmung einbringen, um auf die Herausforderungen der Digitalisierung zu reagieren. Das Gleiche gilt für die Investitionen in die Bildung von Medienkompetenz (25 Prozent).

Interpretation

Unternehmen, die die Bedeutung von Fort- und Weiterbildungen im digitalen Bereich unterschätzen und nicht ausreichend in ihre Mitarbeiter investieren, gefährden womöglich ihre unternehmerische Zukunft. Denn für den wirtschaftlichen Erfolg sind digitale Medienkompetenzen ein Schlüsselfaktor. Anders als Grundfertigkeiten, wie zum Beispiel Schreiben und Rechnen, können die gelernten Inhalte jedoch nicht – einmalig gelernt – ein Leben lang in der gleichen Art angewendet werden; sie müssen vielmehr ständig weiterentwickelt und angepasst werden. In einer dynamischen, digitalen (Arbeits-)Welt mit sich schnell ändernden Anforderungen, sollte digitale Medienkompetenz daher als flexibles Konstrukt betrachtet werden, das immer wieder angepasst werden muss. Die Weichen für Akzeptanz und Umgang mit digitalen Medien sowie die Einsicht, sich jeweils flexibel weiterbilden zu müssen, sollten bereits im frühen Kindesalter gestellt und in allen Lebensbereichen fest verankert werden. Die befragten Experten gehen von einer raschen, positiven Entwicklung in den nächsten fünf Jahren aus. Erklären ließe sich dies durch das Eintreten der Generation Y beziehungsweise der digitalen Natives in den Arbeitsmarkt. In Politik und Wirtschaft lassen sich gegenwärtig noch keine konkreten Maßnahmen erkennen, die diese Meinung stützen könnten. In vielen Unternehmen werden notwendige Einsparungen nach wie vor zuerst im Bereich Weiterbildung getroffen, in Kindergärten und Schulen fehlen Gelder für den Aufbau einer digitalen Infrastruktur; in der Aus- und Fortbildung von Lehrern liegt der Schwerpunkt noch in anderen Bereichen. Zwar gehört es in der Wirtschaft und der Politik mittlerweile „zum guten Ton“, von der enormen Bedeutung einer umfassenden Medienkompetenz zu sprechen, dennoch ist das Thema im Vergleich zu anderen Themen noch zu wenig präsent.

Wege in die digitale Zukunft

Die Ausgangslage für eine rasche Verbesserung der Situation ist nicht ideal. Vor allem politische Strukturen und Gegebenheiten sind derzeit noch nicht mit der Dynamik der digitalen Welt vereinbar. Statt auf bestehende Erfolge, wie zum Beispiel Leuchtturm-/Best practice-Projekte, aufzubauen, werden bestehende Errungenschaften zu Beginn neuer Legislaturperioden oftmals hinterfragt und man beginnt wieder bei „Null“. Der Problematik dieser „politischen Positionierung“ und den damit einhergehenden Zeit- und Inhaltsverlusten muss dringend entgegengesteuert werden. Eine Möglichkeit wäre die Einrichtung einer zentralen Stelle beziehungsweise eines Digitalisierungsverantwortlichen, der über die Dauer von Legislaturperioden und über Parteiinteressen hinweg kompetent agiert. Dies könnte auch helfen, die „Digitale Agenda“, durchzusetzen und vor allem die Gefahr reduzieren, dass ihr Potenzial durch fragmentierte Zuständigkeiten und herkömmliche Interessenskonstellationen nicht ausgeschöpft wird.

Politische Trägheit, Resistenz gegenüber Veränderung und föderalistische Strukturen stellen ebenfalls große Barrieren dar. Die deutsche Politik muss in ihrer Struktur flexibler und in ihrem Agieren mutiger werden. Sie muss bereit sein, neue Wege zu gehen. Ein Beispiel: Das deutsche Schulsystem und sein Finanzierungssystem fußen auf Strukturen des 19. Jahrhunderts und dem damaligen Erfolgsfaktor Information und Wissen. Je mehr jemand wusste, desto besser wurde er bewertet und desto höher stieg er in den Hierarchien an. Dies ändert sich in der digitalen Welt. Hier könnten Politik und Wirtschaft mittels Kooperationen aller beteiligten Institutionen, aber auch beispielsweise durch Public Private Partnership-Ansätze den dringend benötigten „frischen Wind“ ins System bringen und notwendige Modernisierungen der Infrastruktur in die Wege leiten. Hierfür müssten haushälterische Richtlinien wie zum Beispiel Vergabeverfahren neu und flexibel geregelt werden.

Handlungsimpulse

  • Insgesamt ist gerade in Bezug auf den Umgang mit digitalen Medien eine Reformierung des gesamten Bildungssystems erforderlich, das vom Kindergarten über die Schulausbildung bis hin zur akademischen und beruflichen Aus- und Weiterbildung reicht. Die inhaltliche und methodische Ausrichtung sollte dabei nicht nach den Erfolgsfaktoren der herkömmlichen Wirtschaftsstrukturen erfolgen, sondern nach den zukünftig relevanten Erfolgsfaktoren in einer digitalen Welt.
  • Unterstützend sollte die Position eines für die Digitalisierung zuständigen Bildungsverantwortlichen über Legislaturperioden und Parteiinteressen hinweg eingerichtet werden. Seine Aufgabe ist, ständig zukünftig erforderliche Kompetenzen und Qualifikationen zu prüfen und dann entsprechend weiterzuentwickeln. Der „Digitalen Agenda“ könnte damit eine größere Wirksamkeit verschafft werden.
  • Zur Modernisierung des deutschen Schulsystems könnten zudem Public Private Partnership-Ansätze aus Politik und Wirtschaft gefördert werden, die die oben angesprochene Zielrichtung unterstützen.