Methodensteckbrief

Überblick Gesamtprozess

Die sechste Phase der Zukunftsstudie MÜNCHNER KREIS beschäftigt sich mit der Frage, wie IKT-basierte deutsche Unternehmen vor dem Hintergrund der Beschleunigung unserer Wirtschaft durch Digitalisierung und Globalisierung ihre Marktführerschaft erhalten können. In einem mehrstufigen Prozess wurde analysiert, inwiefern die Digitalisierung eine Achillesferse der deutschen Wirtschaft darstellt und welche Wege in eine erfolgreiche digitale Zukunft führen können. Das Ziel der Zukunftsstudie MÜNCHNER KREIS 2014 war die „Ausarbeitung einer Blaupause zur beschleunigten Schaffung der Voraussetzungen für die möglichst koordinierte digitale Transformation der deutschen/europäischen Industrie/Wirtschaft“ (Prof. Dr. Dres. h.c. Arnold Picot, Oktober 2013). Eine sehr heterogen zusammengesetzte Projektpartnergruppe aus Vertretern der Wirtschaft, Politik und Wissenschaft näherte sich der Thematik in mehreren Workshops. Die Ergebnisse dieser Workshops und einer quantitativen Expertenbefragung sind Kernelement der Studie.

Ausgangsanalyse

In einem Ausgangsmodell wurden zunächst verschiedene Einflüsse gesammelt, die aktuell auf die deutsche Wirtschaft einwirken. Vor allem große Internetunternehmen aus dem Ausland erschweren es ihr, sich im digitalen Markt zu etablieren. Die Mentalität der internationalen Hauptakteure, die Größendimensionen, in denen skaliert wird und die weltweit angewandten Datennutzungsbestimmungen weichen stark von deutschen Gesetzen und Gepflogenheiten ab. Auch das Nutzungsverhalten des Kunden hat sich durch die Digitalisierung verändert und kann heute anders abgebildet werden. Auf die aktuellen Entwicklungen reagiert die deutsche Politik sehr vorsichtig. Vor diesem Hintergrund erscheint Deutschland eher als „Verwalter“ denn als „Gestalter“ der Digitalisierung.

Rahmenmodell als Grundlage für die Thesenentwicklung

Um eine möglichst umfangreiche Themenbandbreite abzudecken, welche die verschiedenen Aspekte der Digitalisierung beleuchtet, wurde im nächsten Schritt ein Modell entwickelt, das unterschiedliche Dimensionen enthält. Im Zentrum befindet sich die deutsche Wirtschaft, die sich vor dem Hintergrund der Globalisierung und Digitalisierung zwischen Anpassungsdruck und Gestaltungsspielraum bewegt. Vor allem KMUs, Anker der deutschen Wirtschaft, werden immer stärker mit der Internationalisierung und Skalierung von Produktansprüchen konfrontiert.

Verschiedene Faktoren wirken auf die deutsche Wirtschaft ein. Ein starker Einfluss wird durch die globale Digitalisierung ausgeübt: Die Dominanz im digitalen Sektor liegt stark außerhalb Deutschlands. Verschiedenste (neue) Akteure und Treiber stehen im Wettbewerb, der Anbieter mit der größten Nähe zum Endnutzer „gewinnt“. Als weiteren Einflussfaktor auf die Wirtschaft kann man die Gesellschaft und letztendlich die Macht des Kunden anführen. Direkt und indirekt über seine Daten beeinflusst er die strategische Ausrichtung der Unternehmen und wird selber durch digitale Dienste immer stärker instrumentalisiert. Schließlich verändert sich aufgrund der Digitalisierung auch die Art, in der die Politik einen Einfluss auf die Rahmenbedingungen nehmen kann.

Deep-Dive: Thesenentwicklung

Das aufgestellte Modell diente als Grundgerüst, um auf diesem für anschließende „Deep-Dive“-Analysen spezifische Themen von aktuell hoher Relevanz anzusiedeln. In mehreren Workshops und Kleingruppenarbeit auf einer digitalen Plattform, gestützt durch Desk Research, entwickelten die Partner 29 Thesen, welche die Herausforderungen der Digitalisierung für die deutsche Wirtschaft möglichst breitgefächert darstellen.

In den Thesen werden aktuelle Herausforderungen an die deutsche oder europäische Wirtschaft beschrieben, die sich mit Themen wie beispielsweise Gesetzgebung und Politik, Mentalitätswandel, Globalisierung, Nutzerdaten und dem Fachkräftemangel auseinandersetzen.

Zusätzlich wurden Erfolgsfaktoren, welche zu einer gelungenen digitalen Transformation unserer Wirtschaft führen können, erörtert. Diese „Erfolgsfaktoren der Industrialisierung“ stellen eine Stärkenprofil-Landkarte der deutschen Wirtschaft dar, durch welche diese zu einer starken Industrienation herangewachsen ist. Des Weiteren decken die „Erfolgsfaktoren der Digitalisierung“ die notwendigen neuen Denkweisen und Spielregeln der digitalen Welt ab. Außerdem wurde eine Liste von Akteuren, welche einen Einfluss auf Konvergenz und Transformation der Wirtschaft in Deutschland haben, erstellt. Hierzu zählen Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Medien und Gesellschaft.

Die 29 Thesen wurden wie folgt strukturiert:

  • Thesenbeschreibung: Das Thema und seine Hintergründe werden kurz dargestellt.
  • Entwicklungen: Aus der These resultieren zwei einander entgegengesetzte Zukunftsszenarios.
  • Treiber und Verhinderer: Akteure und Erfolgsfaktoren der deutschen Wirtschaft werden hinsichtlich der Frage, inwiefern sie die Eintrittswahrscheinlichkeit der Zukunftsszenarios beeinflussen, beurteilt.
  • Zusatzfragen: Themenvertiefende Analysen werden durchgeführt.
Ergänzend wurde in Diskussionen und mit Hilfe von Desk Research eine Analyse von aktuellen gesellschaftlichen Megatrends durchgeführt. 29 Technologietrends, welche die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen beeinflussen können, wurden dabei in einer Liste zusammengefasst.

Aufbau des Fragebogens

Die erarbeiteten Thesen wurden in einen Fragebogen überführt. Zunächst erfolgte die Abfrage allgemeiner Daten zur Person sowie zu ihrem beruflichen Umfeld. Anschließend folgte ein Block mit themenübergreifenden Fragen zu der digitalen Transformation der Wirtschaft. Hier wurden zum einen übergeordnete Fragen zu den oben genannten Akteuren und Erfolgsfaktoren gestellt. Zum anderen sollten digitale Trends beurteilt werden, sowie zukünftige Kooperationsformen mit andern Unternehmen.

Im dritten Abschnitt erfolgte die Beurteilung der 29 Thesen. Zu jeder These sollten die Befragten angeben, inwieweit sie diese und die beiden sich daraus ergebenden Entwicklungen für das Jahr 2014, sowie für die Jahre 2020 und 2025 als zutreffend und realistisch einschätzen. Im Anschluss wurde den Befragten eine der beiden Entwicklungen vorgelegt und sie sollten beurteilen, inwieweit oben genannte Akteure oder Erfolgsfaktoren die positive Entwicklung begünstigen und der negativen Entwicklung entgegenwirken. Des Weiteren wurden an bestimmten Stellen vertiefende Zusatzfragen gestellt. Den Befragten wurden zunächst acht Thesen vorgelegt, wobei sie im Anschluss an deren Bearbeitung die Möglichkeit erhielten, weitere Thesen zu bewerten.

Internetbasierte Expertenbefragung

Experten der IKT-Branche wurden zu einer internationalen internetbasierten Befragung eingeladen. Die Befragung wurde vom 17.07.2014 bis zum 02.09.2014 durchgeführt. Von insgesamt 517 Befragten weltweit befand sich der Hauptwohnsitz von 464 Personen in Deutschland, deren Antworten für die hier vorliegende Auswertung berücksichtigt wurden. Der Altersdurchschnitt lag bei 50,4 Jahren.

Auf einen Blick

Erhebungsmethode: Computergestützte Webinterviews (CAWI)

Erhebungszeitraum: 17.07.2014 bis zum 02.09.2014

Realisierte Interviews:
Gesamt n = 517
Mit Hauptwohnsitz in Deutschland n = 464

Dauer: 20 Minuten

Stichprobenbeschreibung:

  • Altersdurchschnitt: 50,4 Jahre, Alter: 18-85 Jahre
  • Geschlecht: 11 Prozent Frauen, 89 Prozent Männer
  • Art der Organisation: 68 Prozent Unternehmen; 10 Prozent Behörde/Ministerium; 16 Prozent Wissenschaft
  • Branche: 52 Prozent IKT
  • IKT-Erfahrung: 11 Prozent 0-5 Jahre; 38 Prozent 6-20 Jahre; 53 Prozent länger als 20 Jahre

Interpretation der Ergebnisse

In zwei Workshops wurden die Ergebnisse der Befragung von 33 Experten diskutiert und interpretiert. Jede These wurde dabei geprüft, inwieweit sie als Sinnbild der Achillesferse der deutschen Wirtschaft herangezogen werden kann.

Aus den Thesen wurden ebenfalls wesentliche Erkenntnisse gezogen, Wechsel- und Hebelwirkungen sowie Treiber und Barrieren für die zukünftige Entwicklung diskutiert und konkrete Maßnahmen abgeleitet, welche realistisch und zeitnah umgesetzt werden können, um erfolgreich die digitale Zukunft gestalten zu können.

Im Anschluss wurden diese Interpretationen in einem mehrstufigen Prozess konsolidiert und dienten dann erneut als Basis zur Formulierung konkreter Handlungsempfehlungen, welche in einem weiteren Workshop ausgearbeitet wurden.

Schließlich wurden die 29 Thesen zu sechs sogenannten thematischen „Räumen“ aggregiert, die übergreifend auf einzelne Bereiche, die sich mit den Folgen der Digitalisierung beschäftigen, eingehen. Des Weiteren wurden aus den durch die Partner erarbeiteten Handlungsempfehlungen neun übergreifende Lösungsräume entwickelt, welche die konkreten Wege in die digitale Zukunft zusammenfassen.