Forschung und Entwicklung: Akzeleration und Fokussierung auf den Markt

These im Wortlaut

In Deutschland sind Förderung von Forschung und Entwicklung und die anschließende Umsetzung und internationale Vermarktung in der Wirtschaft nicht ausreichend an den Herausforderungen und Prinzipien der digitalen Ökonomie ausgerichtet.

Erkenntnis

Das bisherige Fördersystem von Forschung und Entwicklung im digitalen Sektor ist zu stark auf klassische industrielle Rahmenbedingungen ausgerichtet und gilt als zu träge, starr, langsam und bürokratisch. Eine stärkere Konzentration auf für den Markt relevante Themen wie die Einbeziehung des Kunden, schnelle Erprobung und zielgerichtete Verarbeitung sind erforderlich.

Einführung

Das Ziel von Förderprogrammen ist es, die technologischen und wissenschaftlichen Grundlagen der Geförderten zu optimieren und dadurch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu stärken. Die Rahmenbedingungen, unter denen Geld für Forschung, Entwicklung und Demonstration beantragt werden, sind aktuell eher starr und risiko-avers. In einer Zeit des digitalen Wandels stellt sich daher die Frage, inwiefern diese mit den heutigen geänderten Rahmenbedingungen in Einklang zu bringen sind.


These: In Deutschland sind Förderung von Forschung und Entwicklung und die anschließende Umsetzung und internationale Vermarktung in der Wirtschaft nicht ausreichend an den Herausforderungen und Prinzipien der digitalen Ökonomie ausgerichtet.

„Inwieweit trifft diese These auf die Situation in Ihrem Unternehmen zu?“

Basis: Gesamt n = 132, IKT n = 78, Nicht-IKT n = 54


Deskription

Aktuell sind zwei Drittel der befragten Experten der deutschen Wirtschaft (63 Prozent) der Meinung, dass in Deutschland die Förderung von Forschung und Entwicklung und die anschließende Umsetzung und internationale Vermarktung in der Wirtschaft nicht ausreichend an den Herausforderungen und Prinzipien der digitalen Ökonomie ausgerichtet sind. Für das Jahr 2020 folgt knapp die Hälfte der Experten dieser Einschätzung (46 Prozent), für 2025 wird die These nur noch von knapp über einem Drittel (36 Prozent) gestützt.

Interpretation

Das Fördersystem in Deutschland gilt anscheinend als zu träge, starr, langsam und bürokratisch. Zwei Drittel der Befragten sind unzufrieden mit der aktuellen Situation, die als bedenklich einzustufen ist. Denn die bisherige Förderpolitik ist sehr stark an klassischen, industriellen Rahmenbedingungen und wenig an den Herausforderungen der digitalen Ökonomie ausgerichtet. Die Bereiche Förderung und Umsetzung sollten generell getrennt voneinander betrachtet werden: Die Förderung von Forschung und Entwicklung erfolgt durch die Politik, während die Umsetzung der Forschungsergebnisse nur bedingt oder indirekt durch den Staat gefördert wird. Der baldige Wandel, der von den Befragten vermutet wird, unterstreicht deren Vertrauen in die Zukunft. Hierbei sind vor allem die nächsten sechs Jahre entscheidend. Hinter den Erwartungen für 2020 könnte die Hoffnung liegen, dass „Horizont 2020“ – ein EU-Förderprogramm für Forschung und Innovation – die Wende einleitet. Diese Einschätzung könnte unter Umständen zu optimistisch sein.


Darstellung der Eintrittswahrscheinlichkeit zweier gegensätzlicher aus der These resultierenden Entwicklungsszenarien aus Sicht der befragten Experten.

„Im Folgenden zeigen wir Ihnen zwei Entwicklungsmöglichkeiten: Bitte kreuzen Sie an, welche Entwicklungsalternative Ihnen wahrscheinlicher erscheint heute / im Jahr 2020 / im Jahr 2025.“

Basis: Gesamt n = 132, IKT n = 78, Nicht-IKT n = 54



Darstellung der wichtigsten Akteure, die aus Sicht der befragten Experten im Jahr 2020 entweder das positive Entwicklungsszenario beeinflussen oder dem negativen Entwicklungsszenario entgegenwirken.

„Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich im Jahr 2020. Welche der im Folgenden aufgeführten Akteure können diese positive Entwicklung bewirken / der negativen entgegenwirken?“

Basis: Verstärker n = 74, Verhinderer n = 58



Durch Kundeneinbeziehung, schnelle Erprobung und adäquate Verbreitung können neue digitale Produkte erfolgreich eingeführt werden.

„Wie wichtig sind die im Folgenden aufgeführten Treiber für eine erfolgreiche Einführung von neuen digitalen Produkten in Ihren Zielmärkten?“

Basis: n = 132


Deskription

Zwei Drittel der befragten Experten (64 Prozent) geben an, dass der zu geringe Marktbezug in der Entwicklungs- und Forschungsförderung sowie eine verzögerte Erprobung in Deutschland Innovationspotenziale auf internationalen Märkten verhindern. Für das Jahr 2020 erwartet bereits die Hälfte der Experten (51 Prozent) einen Wandel: Die frühzeitige Ausrichtung der Forschungs- und Entwicklungsförderung auf Anwendungen und internationale Zielmärkte erhöht in Deutschland Anreiz und Möglichkeiten, marktorientierte Produkte zu entwickeln, schnell zu erproben und umzusetzen. 2025 steigt diese positive Einschätzung um weitere 20 Prozentpunkte an.

Erfolgsfaktoren, die eine positive zukünftige Entwicklung bedingen und gleichzeitig einer negativen Entwicklung entgegenwirken, sind vor allem die Wirtschaft in Deutschland (Verstärker positiv: 74 Prozent, Verhinderer negativ: 81 Prozent), die Politik in Deutschland (Verstärker positiv: 49 Prozent, Verhinderer negativ: 66 Prozent), sowie die Wissenschaft (Verstärker positiv: 54 Prozent, Verhinderer negativ: 59 Prozent).

Treiber für eine erfolgreiche Einführung von neuen, digitalen Produkten sind laut Expertenmeinungen unter anderem eine stärkere Einbeziehung des Kunden (83 Prozent), eine schnelle Erprobung (74 Prozent), eine zielgerichtete Verbreitung (71 Prozent), das Einbeziehen von Erfahrungswissen (68 Prozent) sowie das Aufzeigen von Best-Practice-Beispielen (58 Prozent).

Interpretation

Die von den Befragten erwarteten zukünftigen positiven Veränderungseffekte werden in ihrer Ausprägungsstärke möglicherweise unrealistisch positiv eingeschätzt. Insofern könnte der zu geringe Marktbezug in der Forschungsförderung durchaus als Achillesferse interpretiert werden.

Das Ranking der Erfolgsfaktoren, die eine positive zukünftige Entwicklung bedingen, und derjenigen, die einer negativen Entwicklung entgegenwirken, ist identisch. In beiden Fällen sind die deutschen Wirtschaftsunternehmen die Hauptakteure. Ihre Entwicklungs- und Forschungsförderung wird als ausschlaggebend für den zukünftigen Erfolg gesehen. Eine aktive Rolle der Förderung durch die Politik wird im Vergleich offenbar als nicht so relevant angesehen. Der Politik wird nur eine nachgestellte Rolle zugesprochen, hinsichtlich der Förderprogramme scheint sie keinen Mehrwert zu liefern. Dieses Ergebnis kann auf eine Resignation der Wirtschaft in Bezug auf aktuelle Förderprogramme hindeuten oder darauf, dass die Förderpolitik nicht das entscheidende Kriterium für Innovationen ist. Auch im Silicon Valley werden Innovationen nicht durch staatliche Förderpolitik getrieben.

Wege in die digitale Zukunft

Forschung, Entwicklung und die Umsetzung der resultierenden Innovationen in Produkte werden von unterschiedlichen Akteuren (Wissenschaft vs. Wirtschaft vs. Politik) getragen und getrieben. Für die Herausforderungen der Digitalisierung scheint die staatliche Förderpolitik derzeit weniger wichtig zu sein – hier spielt die Wirtschaft eine größere Rolle. Für die Forschung hingegen bleibt staatliche Förderung weiterhin wichtig.

Allerdings ist die Förderung derzeit nicht an die Geschwindigkeit der digitalen Ökonomie angepasst.

Handlungsimpulse

  • Ausgehend von den Anforderungen einer digitalen Wirtschaft ist zunächst zu prüfen, wie eine Förderpolitik aussehen könnte, die diesen Anforderungen gerechter wird als die existierende.
  • Unabhängig davon sollte staatliche Förderpolitik einfach, konkret und unbürokratisch gestaltet sein und somit die schnelle Durchführung und Umsetzung ermöglichen.
  • Ein besseres Erfolgscontrolling sollte etabliert werden, das transparent macht, wieviel gefördert wird und was nach 3 Jahren durch die Prozesse entstanden ist.
  • Direkte Kooperationen im Forschungsprozess zwischen Wirtschaft und Hochschulen sollten weiter verstärkt gefördert werden.
  • Die universitäre Forschung sollte ausreichend gefördert werden, da sie häufig die Basis von Start-Ups darstellt.