Herausforderung Skalierung kann bewältigt werden

These im Wortlaut

In Deutschland verhindert fehlende Skalierbarkeit von Produkten schnelles Wachstum und Internationalisierung.

Erkenntnis

Die fehlende schnelle Skalierbarkeit von Produkten und Dienstleistungen für internationale Zielmärkte wird in der deutschen Wirtschaft aktuell kritisch gesehen. Langfristig gesehen wird das Thema positiver eingeschätzt. Der tiefere Grund ist, dass die typischen deutschen Produkte von Natur aus nicht – und die deutsche Unternehmermentalität zudem – auf Skalierung ausgerichtet sind.

Einführung

Bereits durch die Globalisierung haben Landesgrenzen an Bedeutung verloren, die Digitalisierung unserer Welt hat diesen Prozess noch weiter vorangetrieben. Ehemals regionale Märkte öffnen sich und verwachsen auf globaler Ebene miteinander, sodass die internationale Skalierbarkeit digitaler Produkte und Dienstleistungen zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor digitaler Geschäftsmodelle wird.


These: In Deutschland verhindert fehlende Skalierbarkeit von Produkten schnelles Wachstum und Internationalisierung.

„Inwieweit trifft diese These auf die Situation in Ihrem Unternehmen zu?“

Basis: Gesamt n = 124, IKT n = 62, Nicht-IKT n = 62


Deskription

Knapp zwei Fünftel der befragten Experten (37 Prozent) gehen davon aus, dass schnelles Wachstum und Internationalisierung durch fehlende Skalierbarkeit deutscher Produkte verhindert werden. Für das Jahr 2020 sinkt der Anteil derjenigen, die der These zustimmen, auf 28 Prozent, während für das Jahr 2025 nur noch ein Viertel (24 Prozent) zustimmt.

Interpretation

In der fehlenden Skalierbarkeit von Produkten wird von den deutschen Experten keine allzu große Herausforderung gesehen. Dass aktuell im digitalen Sektor aus Deutschland relativ wenige internationale Konzerne hervorgehen, scheint für die Befragten kein Problem darzustellen. Auch wird davon ausgegangen, dass dieses Phänomen rückläufig ist.

Hierfür gibt es verschiedene Erklärungen. Eine Möglichkeit ist, dass die Experten davon ausgehen, dass durch die zunehmende Digitalisierung Geschäftsmodelle im Allgemeinen leichter skalierbar sein werden. Eine weitere Alternative ist, dass geringe Erfahrung mit der Skalierbarkeit von Produkten und fehlende Leitbilder zu dieser Einschätzung führen. Ebenso könnte die Zufriedenheit mit der aktuellen Situation das Ergebnis bedingen. Mit Blick auf den Mittelstand, einer der tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft, stellt sich die Frage, welche Bedürfnisse und Voraussetzungen gegeben sind, um erfolgreich zu skalieren.


Darstellung der Eintrittswahrscheinlichkeit zweier gegensätzlicher aus der These resultierenden Entwicklungsszenarien aus Sicht der befragten Experten.

„Im Folgenden zeigen wir Ihnen zwei Entwicklungsmöglichkeiten: Bitte kreuzen Sie an, welche Entwicklungsalternative Ihnen wahrscheinlicher erscheint heute / im Jahr 2020 / im Jahr 2025.“

Basis: Gesamt n = 124, IKT n = 62, Nicht-IKT n = 62



Darstellung der wichtigsten Erfolgsfaktoren, die aus Sicht der befragten Experten im Jahr 2020 entweder das positive Entwicklungsszenario beeinflussen oder dem negativen Entwicklungsszenario entgegenwirken.

„Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich im Jahr 2020. Welche der im Folgenden aufgeführten Faktoren sind auszubauen bzw. zu stärken, um diese positive Entwicklung zu bewirken / der negativen entgegenzuwirken?“

Basis: Verstärker n = 66, Verhinderer n = 57



Der Mangel an internationalem Denken sowie die Größe des deutschen Marktes führen zu einem Mangel an Skalierungsfähigkeit digitaler Produkte.

„Bitte kreuzen Sie den Ihrer Meinung nach wichtigsten Grund für die fehlende Skalierungsfähigkeit von digitalen Produkten in Deutschland an.“

Basis: n = 123


Deskription

Aktuell geht die Hälfte der Befragten von dem negativen Szenario aus (49 Prozent), in dem Deutschland erfolgreiche Skalierungs- und Internationalisierungsstrategien aufgrund von Zufriedenheit mit der aktuellen Situation nicht verfolgt, während knapp ein Viertel (24 Prozent) sich das zweite Szenario eher vorstellen kann, wonach die Realisierung von Skalierungsstrategien in der heutigen Situation als realistisch gesehen wird. Über ein Viertel der Experten (27 Prozent) kann sich weder das erste, noch das zweite Szenario vorstellen. Dieses Bild wandelt sich stark für das Jahr 2020, hier gehen bereits zwei Drittel (65 Prozent) von der positiven zweiten Entwicklung aus und für das Jahr 2025 vertreten es 72 Prozent.

Verstärker einer positiven Entwicklung sind nach Meinung der befragten Experten kontinuierliche Innovationsleistung sowie Forschung und Entwicklung (65 Prozent), Kreativität und Offenheit (65 Prozent), Unternehmer-Mentalität (62 Prozent) sowie modernste digitale Infrastrukturen (59 Prozent). Um das negative Szenario zu verhindern, setzen die Experten auf eine globale Ausrichtung (51 Prozent), Kreativität und Offenheit, Unternehmermentalität und qualifizierte Ausbildung (je 46 Prozent).

Dass bei der Produktentwicklung nicht initial auf Internationalisierung Wert gelegt wird, sieht über ein Viertel der Experten (28 Prozent) als Hauptgrund für die fehlende Skalierbarkeit von digitalen Produkten, während ein Mangel an Kapital nur von sechs Prozent genannt wird.

Interpretation

Von den befragten Experten wird die fehlende Skalierbarkeit von deutschen Produkten und Dienstleistungen im Bereich der IKT-Gründungen und Wachstumsunternehmen nicht als Achillesferse gesehen. Bis in das Jahr 2025 scheinen ihrer Ansicht nach nur die wenigsten Unternehmen mit der Größe des deutschen Marktes zufrieden zu sein. Ein Großteil will zukünftig skalierungsfähige Produkte anbieten. Mängel, die heute einer durchschlagenden Skalierbarkeit entgegenstehen, werden nach Expertenmeinung kurzfristig in den nächsten Jahren überwunden werden.

Für die positive zukünftige Entwicklung setzen die Experten vor allem auf technische Verstärker wie beispielsweise Innovation, Forschung und Entwicklung. Auch Soft Skills, wie Unternehmermentalität sowie Kreativität und Offenheit führen nach aktueller Meinung zum Erfolg. Gerade aber bei kulturellen Faktoren wie Handlungsmustern und Einstellungen ist fraglich, ob diese zum einen in dieser kurzen Zeit änderbar sind und zum anderen ob sie ausreichen, um den angestrebten schnellen positiven Wandel zu beeinflussen. Demgegenüber wird der Faktor Kapital als Basis zur Skalierung von Geschäftsmodellen nur von den Wenigsten als relevant erachtet. Diese Beurteilung mag für die klassische Industrie tatsächlich zutreffen, auf dem digitalen Markt allerdings sind andere Maßstäbe vonnöten. Um skalieren und internationalisieren zu können, ist möglicherweise auch in Deutschland eine stärkere Venture Capital Finanzierung erforderlich.

Wege in die digitale Zukunft

Insgesamt stellt schnelle Skalierbarkeit als Strategie der deutschen Industrie zwar heute kein großes Bedürfnis dar, doch der Druck zu skalieren, wird sicherlich zukünftig größer. Dies mag auf der einen Seite bedingt sein durch den zunehmenden Anteil an digitalen statt analogen Produkten, welche generell die Skalierbarkeit von Geschäftsmodellen vorantreiben. Auf der anderen Seite entsteht durch die Internationalisierung von Unternehmen anderer Länder für die deutsche Wirtschaft eine neue Wettbewerbssituation, die auch angestammte Märkte bedroht. So ist es möglich, dass nicht die Vorteile der eigenen Skalierbarkeit im Vordergrund stehen, sondern der Druck skalierender Unternehmen aus dem Ausland der eigentliche Grund für die Auseinandersetzung mit dem Thema ist.

Die Notwendig zu skalieren wird zukünftig möglicherweise immer größer. Denn um global in einer digitalisierten Welt die Marktführerschaft zu übernehmen, ist die internationale Skalierbarkeit von Geschäftsmodellen erfolgskritisch. Unternehmen, die durch ihre Produkte die Heterogenität Europas beherrschen können, hätten an dieser Stelle einen großen Vorteil gegenüber den USA, China und anderen großen Märkten, da sie den Umgang mit unterschiedlichen Zielmärkten gewohnt sind.

Handlungsimpulse

  • Zunächst ist ein stärkeres Bewusstsein erforderlich, dass Skalierung und Internationalisierung in der digitalen Welt wichtige Strategien sind.
  • Die Umsetzung können verschiedene Voraussetzungen unterstützen. Zu ihnen zählen Venture-Capital, flexibles Partnering sowie insbesondere eine von Anfang an auf globale Märkte ausgerichtete Skalierung. Dies schließt beispielsweise eine von Anfang an englischsprachige Ausrichtung des Produktes sowie das Verlassen der Komfortzone „Deutschland“ ein.