Beschleunigung der Umsetzung von Innovationen in der digitalen Welt

These im Wortlaut

In Deutschland scheitert die Umsetzung erfolgsversprechender Innovationen in wirtschaftlich erfolgreiche Produkte häufig.

Erkenntnis

Innovationen sind erst dann erfolgreich, wenn sie in Produkte umgesetzt und vom Kunden angenommen wurden. In der digitalen Welt muss dieser Prozess beschleunigt werden, ohne die Qualitätsansprüche zu reduzieren. Schnellere Genehmigungsprozesse, eine offenere Unternehmenskultur, schlankere Prozesse, ein schnelleres Ausprobieren sowie die Bereitschaft zum Scheitern können dies unterstützen.

Einführung

Die Digitalisierung der Gesellschaft und der Wirtschaft geht mit einer Beschleunigung der Lebens-, Arbeits- und Produktionswelt einher. Um international anschlussfähig zu bleiben, ist die Weiterentwicklung unseres Denkens und Handelns in allen Lebensbereichen erforderlich.


These: In Deutschland scheitert die Umsetzung erfolgsversprechender Innovationen in wirtschaftlich erfolgreiche Produkte häufig.

„Inwieweit trifft diese These auf die Situation in Ihrem Unternehmen zu?“

Basis: Gesamt n = 129, IKT n = 74, Nicht-IKT n = 55


Deskription

Aktuell gehen 40 Prozent der befragten Experten davon aus, dass in Deutschland die Umsetzung erfolgversprechender Innovationen in wirtschaftlich erfolgreiche Produkte häufig scheitert. Für das Jahr 2020 ist nur noch gut ein Viertel der Befragten (27 Prozent) dieser Meinung und für 2025 sinkt die Quote tendenziell weiter auf 23 Prozent.

Interpretation

Auf der einen Seite erkennt die Mehrheit der Experten kein Problem bei der Umsetzung erfolgversprechender Innovationen in wirtschaftlich erfolgreiche Produkte. Eine solche Umsetzung scheint derzeit bei vielen Unternehmen zu funktionieren. Auf der anderen Seite scheitern derartige Umsetzungen laut über einem Drittel der Experten noch häufig. Die schnelle Umsetzung von Innovationen in Produkte ist primär ein Kulturthema, deshalb muss vor allem die Bereitschaft, neue Produkte frühzeitig auszuprobieren trotz der Gefahr, daran zu scheitern, in einem Unternehmen vorhanden sein.

Die Entwicklung zeigt, dass Experten künftig von einer verbesserten Umsetzung von Innovationen in erfolgreiche Produkte ausgehen. Der erwartete zukünftige Wandel könnte allerdings auch Wunschdenken sein – hervorgerufen durch die Entwicklungen, die mit dem globalen Wettbewerb einhergehen. Als Voraussetzung für einen Wandel wird jedoch klar erkannt, dass sich Produktentwicklungsprozesse ändern sollten.


Darstellung der Eintrittswahrscheinlichkeit zweier gegensätzlicher aus der These resultierenden Entwicklungsszenarien aus Sicht der befragten Experten.

„Im Folgenden zeigen wir Ihnen zwei Entwicklungsmöglichkeiten: Bitte kreuzen Sie an, welche Entwicklungsalternative Ihnen wahrscheinlicher erscheint heute / im Jahr 2020 / im Jahr 2025.“

Basis: Gesamt n = 128, IKT n = 74, Nicht-IKT n = 54



Darstellung der wichtigsten Erfolgsfaktoren, die aus Sicht der befragten Experten im Jahr 2020 entweder das positive Entwicklungsszenario beeinflussen oder dem negativen Entwicklungsszenario entgegenwirken.

„Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich im Jahr 2020. Welche der im Folgenden aufgeführten Faktoren sind auszubauen bzw. zu stärken, um diese positive Entwicklung zu bewirken / der negativen entgegenzuwirken?“

Basis: Verstärker n = 65, Verhinderer n = 63



Vor allem Bürokratie, langsame und starre Prozesse sowie Fachkräftemangel stellen Hürden der Produktentwicklung dar.

„Welchen Einfluss haben die im Folgenden aufgeführten Hürden auf die Produktentwicklung, d. h. von der Innovation bis hin zum wirtschaftlich erfolgreichen Produkt?“

Basis: n = 125


Deskription

Die Hälfte der Experten (52 Prozent) ist der Meinung, dass Deutschland in der digitalisierten Wirtschaft zu einem Getriebenen wird, da die Produktentwicklungsprozesse veraltet sind und wirtschaftliche Innovationen zu langsam umgesetzt werden. Für das Jahr 2020 können sich 56 Prozent der Befragten die positive Entwicklung vorstellen, dass Produktentwicklungsprozesse angepasst werden, Deutschland in der digitalisierten Wirtschaft zu einem aktiven Treiber und Gestalter für digital basierte Innovationen wird und dadurch international konkurrenzfähig bleibt. Für das Jahr 2025 geben 65 Prozent eine positive Einschätzung für die internationale Konkurrenzfähigkeit Deutschlands ab, nur 16 Prozent gehen vom negativen Szenario aus.

Erfolgsfaktoren, die eine derartige positive zukünftige Entwicklung bedingen und gleichzeitig einer negativen Entwicklung entgegenwirken, sind Innovationsleistung sowie Forschung und Entwicklung (Verstärker positiv: 55 Prozent, Verhinderer negativ: 52 Prozent), qualifizierte Ausbildung (Verstärker positiv: 54 Prozent, Verhinderer negativ: 52 Prozent), Unternehmer-Mentalität (Verstärker positiv: 55 Prozent, Verhinderer negativ: 59 Prozent) und moderne Ausbildung (Verstärker positiv: 55 Prozent, Verhinderer negativ: 48 Prozent). Als Erfolgsfaktoren für eine positive zukünftige Entwicklung werden darüber hinaus vor allem modernste digitale Infrastrukturen (60 Prozent) sowie ein Fokus auf den Kundennutzen (55 Prozent) angeführt. Experten sehen ein Verständnis der digitalen Ökonomie (51 Prozent) sowie Kreativität und Offenheit (48 Prozent) als weitere Erfolgsfaktoren, um einer negativen Entwicklung entgegenzuwirken.

Hürden für die Produktentwicklung sind laut den Experten unter anderem Bürokratie und übermäßige Regulierung (60 Prozent), geringe Umsetzungsgeschwindigkeit (59 Prozent), starre Prozesse und Organisationsstrukturen (53 Prozent) sowie ein Mangel an Fachkräften (52 Prozent).

Interpretation

Innovationen werden erst dann erfolgreich, wenn sie in Produkte umgesetzt und vom Kunden angenommen werden. Gegenwärtig geht die Hälfte der befragten Experten davon aus, dass die Anzahl an erfolgreichen Innovationen eher gering ist. Nur sechs Jahre später soll allerdings bereits der Wendepunkt eingetreten und die Produktentwicklungsprozesse an die Geschwindigkeit der digitalisierten Welt angepasst sein. Das große Vertrauen in diese Akzeleration erscheint allerdings in Anbetracht der aktuellen Situation zu groß. Denn die deutsche Wirtschaft zeichnet sich dadurch aus, dass Produktentwicklungsprozesse zwar langwierig sind, die Qualität des dabei entstehenden Produktes aber als sehr hoch eingestuft werden kann. Es stellt sich generell die Frage, wie man den alten Erfolgsfaktor Qualität mit dem neuen Erfolgsfaktor Geschwindigkeit in Einklang bringen kann. So ist zu vermuten, dass es sich bei dem Thema Produktentwicklungsprozesse um eine Achillesferse handeln könnte, die der deutschen Wirtschaft nicht in ausreichendem Maße bekannt oder bewusst ist.

Um Produktentwicklungsprozesse anzupassen und Deutschland zu einem aktiven Treiber und Gestalter digitaler Innovationen werden zu lassen, wurden verschiedene Erfolgsfaktoren als Voraussetzung genannt. So fördert eine qualifizierte Ausbildung die positive Entwicklung und könnte auch eine negative verringern. Die stärkste Kraft zur Überwindung der langsamen Produktentwicklungsprozesse ist das Unternehmertum. Zudem werden modernste digitale Infrastrukturen als Verbreitungsmedium neuer Produkte als wichtige unterstützende Kraft wahrgenommen. Die Hürden für Innovationen zeigen, dass die Entwicklung eng mit einem Wandel von Kulturthemen (von Regulierung über Organisationen bis hin zu Denke und Ausbildung) verbunden ist.

Wege in die digitale Zukunft

Die Umsetzung von Innovationen in erfolgreiche Produkte ist möglicherweise ein durch die Experten unterschätztes Problem. Zwar wird ein positiver Wandel impliziert, das „Wie“ bleibt jedoch zunächst unklar. Unternehmermentalität und digitale Infrastrukturen sind wesentliche digitalisierungsfördernde Aspekte. Die Ausbildung wird von den Experten ebenfalls als wichtig eingeschätzt. Diese Einschätzung ist eng verbunden mit der deutschen Kultur und somit spezifisch für Deutschland. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die (derzeit geringe) Umsetzung von Innovationen in Produkte nicht nur auf veraltete Entwicklungsprozesse zurückzuführen ist, sondern zumindest zum Teil auch ein kulturelles Thema darstellt.

Handlungsimpulse

  • Die Einführung von neuen Produkten sollte nicht nur auf den deutschen Markt gerichtet, sondern insbesondere auch in anderen, weniger „kritischen“ Märkten erfolgen.
  • Produkte sollten schneller an die Kundenwünsche (zum Beispiel durch Einbindung des Kunden in den Entwicklungsprozess) angepasst werden.
  • Neben der Förderung von anwendungsorientierter Forschung sollte der Staat die Verteilung von Grundlagen- und Anwendungsforschung auf den Prüfstand stellen.
  • Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in der Wirtschaft, die die schnelle Umsetzung forcieren, sollten stärker durch den Staat gefördert werden.
  • Bürokratie, die die Umsetzung von Innovationen in marktreife Produkte behindert, muss abgebaut werden. Die USA haben beispielsweise kein Äquivalent zum deutschen Produkthaftungsgesetz, sodass dort Ideen und Produkte schneller umgesetzt werden können.